Historische Altstadt Leonberg

Leonberg ist eine der ältesten württembergischen Städte.
Im Jahre 1998 gerade mal 750 Jahre alt geworden, hat sie viel zu bieten: Historisches  und Modernes finden Sie hier genauso wie schwäbische Gemütlichkeit und pulsierende Geschäftigkeit. Bei einem Rundgang die historische Altstadt, Museen, Galerien und den Pomeranzengarten entdecken. Auf Schusters Rappen oder per Drahtesel lässt sich die reizvolle und abwechslungsreiche Natur und Landschaft des Glemstals intensiv erleben

Der Marktplatz.
Aus dem Spätmittelalter und der Renaissance (15. bis 17. Jahrhundert) stammen die restaurierten Fachwerkhäuser des Marktplatzes und so ist er auch heute noch Mittelpunkt zahlreicher Veranstaltungen, wie dem alljährlichen Pferdemarkt, Marktplatzfest, Weihnachts- und Flohmarkt.

Das Leonberger Schloss thront erhaben über dem Glemstal. Heute beherbergt es das Finanzamt. Die Grafen von Württemberg errichteten bei der Gründung  der Stadt an der Süd-West-Ecke eine Burg. Seine heutige Gestalt erhielt das Schloss Leonberg durch den Umbau 1560 bis 1565 unter Herzog Christoph. Ursprünglich war die Hofanlage durch Wirtschaftsgebäude allseits  abgeschlossen. Im Gegensatz zur tristen Südseite ist die Fassade etwas repräsentativer. Hier nämlich hat sich der Herzog seinen Untertanen gezeigt, hier hat er „Hof gehalten“. 1634 nach der Nördlinger Schlacht zog  der kaiserliche Generalissimus Gallas mit 90köpfigem Gefolge ins Schloß ein. Mit ihm kam die Pest. Niedergebrannt wurde Leonberg zwar nicht, aber brutal ausgeplündert.
Der Versuch von Herzog Karl Eugen, das Schloss im Jahre 1765 zu verkaufen, scheiterte an der mangelnden Finanzkraft der Leonberger Bürgerschaft.
Daher befindet es sich noch heute im Besitz des Landes:

Der Pommeranzengarten.
 Die 45-jährige Herzogin Sibylla von Württemberg verbrachte 1609 ihren Witwensitz im Schloss Leonberg. Die an Botanik und Heilkunde sehr interessierte Herzogin war bereits zuvor in Stuttgart Herrin eines im ganzen Reich berühmten Lustgartens gewesen. Ihr Sohn, Herzog Johann Friedrich, ließ für seine Mutter von  Baumeister Heinrich Schickardt nach italienischem Vorbild einen "fürstlichen Lustgarten samt Pomeranzenhaus und Brunnenkasten" anlegen. Da das Schloss ab 1742 nicht mehr fürstlicher Wohnsitz war, wird der  Pomeranzengarten Obst- und Gemüsegarten, aber ab 1980 nach Originalplänen von Heinrich Schickhardt restauriert.
Der 1980 rekonstruierte Terrassengarten ist einer von wenigen aus der Zeit der Spätrenaissance in Europa und der einzige in Deutschland.

Die evangelische Stadtkirche
Der basilika-ähnliche Gebäudekern entstand vermutlich bald nach der Stadtgründung im 13. Jahrhundert.  Damals gehörte Leonberg zur Pfarrei Dilghausen, bis es um 1300 selbständig wurde. Das Mittelschiff der Johannes dem Täufer geweihten Kirche zeigt noch romantische Züge; die älteste zum Geläut  gehörende Glocke trägt die Jahreszahl 1311. Gotisch sind Vorhalle und Chor. Seine Renaissancehaube erhielt der Turm 1574.
Die Stadtkirche wurde in mehreren Abschnitten gebaut.
An und in der Kirche hat sich ein einzigartiges, prächtiges Ensemble bürgerlicher Grabdenkmäler aus der Zeit der Renaissance erhalten.
Fast alle Werke stammen aus der Werkstatt des Leonberger Bildhauers Jeremias Schwartz, einem der bedeutendsten Künstler im Mittleren Neckarraum.

Der “Schwarze Adler” in Leonberg ist das älteste Gebäude der Stadt. 1350 wurde der mittelalterliche Wohnturm zum ersten Mal als „Steinhaus am Oberntor“erwähnt. Er verstärkte die Stadtbefestigung am Oberen Tor der Stadtmauer. 1248/49 aus militärischen Gründen angelegt, zeigte damals einen sehr wehrhaften Charakter. Sie war umgeben von einer dicken Stadtmauer. An der Südwestecke lag die gräfliche Burg. An der Ostseite, wo ein künstlicher Graben geschaffen worden war, führten zwei Tore, versehen mit Türmen und Zugbrücken, in die Stadt. Das Steinhaus am Oberen Tor ist der einzige Wohnturm von insgesamt drei, der die Jahrhunderte überdauert hat. Er wird immer wieder als Tagungsort des ersten württembergischen Landtags bezeichnet, bei dem die Bürger zum ersten Mal  ein Mitspracherecht in der Regierung vertraglich zugesichert bekamen. Im 16. bis 18. Jahrhundert war das Haus der Sitz des Vogts - heute würde man ihn als Landrat bezeichnen

Schellings Geburtshaus
1699 wurde es evangelisches Pfarrhaus. Hier sind geboren: 1761 der Theologe Heinrich Eberhard Gottlob  Paulus,  1775 Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, einer der grossen deutschen Philosophen, 1781 der Arzt und Naturwissenschaftler Karl Wilhelm Hochdecker.
Lutherus Einhorn, Leonberger Untervogt von 1613 bis  1629 baute er  die frühere Scheune zu seinem Wohnhaus um (Wappen) und erlangte als Hexenverfolger traurige Berühmtheit im Hexenprozess "Katharina Kepler" (Mutter des Astronomen Johannes Kepler).
Der 1775 hier geborene Schelling gehört zu den bedeutendsten Philosophen des Abendlandes. Er entwickelte eine theistische Religionsphilosophie und beschäftigte sich mit der Identität von Natur und Geist. 1798 wurde er durch Goethe als Professor nach Jena berufen.

Keplers Schule, vormals Beginenhaus
Eine Deutsche Schule hat es in Leonberg schon seit dem 14. Jahrhundert gegeben.1541 wurde eine  Lateinschule, die „Schola Leomontana“ eingerichtet. 1559 verfügte Herzog Christoph als erster deutscher Landesfürst die staatliche Schulpflicht für alle Landeskinder. 1571 zogen beide Schulen ins  leerstehende  Beginenhaus. Die Unterrichtung der Mädchen in Leonberg begann 1580. Die Schule besuchte Johannes Kepler 1577 – 79 und 1581 – 83 und am 17. Mai 1583 machte er von hier aus das Landesexamen, und hatte dann die Ausleseprüfung fürs Studium, bestanden.

Evangelisches Dekanat
1477 war mit der Übertragung des Sindelöfinger Chorherrenstifts an die Universität Tübingen auch das  Recht  übergegangen, die Leonberger Pfarrer vorzuschlagen. Dem bis 1919 ausgeübten Recht stand die Pflicht zur Versorgung der Stelleninhaber gegenüber. 1784/85 baute die Universität an Stelle des Vorgängerbaus dieses Haus (Wappen V.T. = Universität Tübingen). Es ist einer der wenigen hiesigen Neubauten des 18. Jahrhunderts.

Ein Rest der Stadtmauer.

Reste des Kreuzgangs des Franziskanerklosters. Das Kloster, eine kleine Einrichtung mit etwa 20 Mönchen, wurde von Eberhard im Bart im Jahre 1467 gestiftet. Nach der Reformation wurde das Kloster aufgelöst und das städtische Spital - ein Alten-, Armen- und Krankenhaus - zog ein. Seit 1811 befindet sich im Bereich des Spitals eine Schule: Die  Spitalschule. Auch der Spitalhofkindergarten blickt auf eine lange Tradition zurück. Bereits 1846 wurde hier die Kleinkinderschule eingerichtet. Auf diesem Areal bestand bis ungefähr 1350 eine Judengemeinde.

Das alte Rathaus wurde im Spätmittelalter, als "der Bürger Haus" zwischen 1460 und 1480 gebaut.
Es diente  als  Sitz der Stadtverwaltung und des Gerichts, als Kaufhalle, Tanz- und Fruchtboden.
Noch im 19. Jahrhundert wurde das Rathaus vielseitig genutzt. So diente der Fruchtboden nach der Gründung des Turnvereins 1849 abwechselnd als Turnplatz und als Trockenraum für die Wäsche.
Heute beherbergt das Alte Rathaus das städtische Ordnungsamt.

Das schön restaurierte alemannische Fachwerk weist die Entstehung dieses Hauses in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts.  Längere Zeit gehörte es der Familie Beutelspacher (Inschrift und Wappen von 1621 uber der Rundbogenpforte). Ein Mitglied dieser Familie – Benedikt – wurde auf Drängen Herzogs Ulrichs  1537 wegen Meineids  und Falschaussage verurteilt – zum Abschneiden seiner Zung und Abhauen seiner rechten Hand - . Das Urteil wurde auf dem Stuttgarter Marktplatz vollstreckt. Heute: Alte Abtei.

Das Haus Marktplatz 26
Friedrich Hölderlin verlebte mit seiner Maulbronner Jugendliebe Louise Nast im September 1788  hier bei ihrem Onkel "glückliche Zeiten". Sie verlobten sich in Leonberg.

Hier wohnten der Notar und Bürgermeister Leonbergs Gottlieb Wilhelm Hoffmann (1771-1846), Gründer der Brudergemeinde Korntal und Joseph Friedrich Josenhans (1812-1885), Missionsinspektor in Basel mit ihren Familien.

Die Zehntscheuer. 1277 erhielt das Chorherrenstift Sindelfingen von seinem Probst Richard von Hailfingen das Leonberger Kirchenpatronat.  Das Stift nahm also den Kirchenzehnt ein und bestimmte den Pfarrer. Graf Eberhard im Bart verlegte es 1477 samt seinen Pfründen nach Tübingen zur finanziellen Ausstattung der neuen  Universität. Die Chorherren wurden Professoren.
In diesem Hause verwaltete der Pfleger den Besitz und sammelte die Einkünfte (z.B. Pacht, Zehentgelder), deshalb ist über dem Eingang das Tübinger  Universitätswappen mit der Jahreszahl 1705 zu sehen.

Barfüßerhaus, städtisches Spital (hinter der Kirche)
„Barfüßer“ nannte man die in Sandalen oder barfuß gehenden Ordensbrüder, wie z.B. die Franziskaner. Esslinger Franziskaner haben hier im 14. und 15. Jahrhundert gewohnt; 1487 – 1552 war hier das erste städtische Spital (Kranken- und Armenhaus, Altenheim).
Das „Entgelte“ der Armen bestand in täglichen Gebeten und Fürbitten für die Stifter und deren Familien; sog. „Herrenpfründner“ (zwischen 1487 – und 1535 waren es 28) kauften sich auf Lebenszeit ein.  

Johannes Keplers Elternhaus am Marktplatz. Das Haus Marktplatz 11. Hierher zog 1575 der junge Johannes Kepler mit seinen Eltern. Vermutlich bewogen religiöse Gründe die Familie zur Übersiedlung von der katholischen Reichsstadt Weil der Stadt in die evangelisch-württembergische Amtsstadt. Bis 1579 wohnte der spätere  Astronom hier.

Der Marktbrunnen bekam eine Wappnerfigur mit Wappen und Hoheitszeichen des Landesherrn.
Das Original der Figur befindet sich im Stadtmuseum.
Sie wurde von dem Steinmetz Leonhard Baumhauer 1566 geschaffen.

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